3.Mai 20


"Jenseits von richtig und falsch, gibt es einen Ort.

  Dort treffen wir uns" (Rumi)


Hast du dich schon einmal darüber geärgert, dass jemand eine andere Meinung hat als du?

Vor allem bei etwas, dass dir extrem wichtig ist?

Hast du dich unverstanden gefühlt oder nicht für ernst genommen?


Genau so erging es einer facebook-Userin heute. Sie äußerte sich genervt über ein posting, welches sie für fake gehalten hat. Derjenige, der das posting in die Gruppe gestellt hatte, ging verbal sofort in Angriff über. Er bezeichnete sie als total verblödet.


Was war passiert?


Er hatte sich Mühe gemacht, etwas zu recherchieren und hielt es für seine Pflicht, die Gruppe darüber in Kenntnis zu setzen.

Die Userin, die noch neu in der Gruppe ist, konnte den Inhalt des postings nicht nachvollziehen. Vielleicht war sie auch schockiert. Anstatt sich erst einmal damit auseinanderzusetzen, kritisierte sie den post. Das konnte derjenige, der gepostet hatte, nicht nachvollziehen. Er war schlichtweg enttäuscht. Seine Arbeit wurde von der einen Person nicht gewürdigt.


Solche und ähnliche Szenen spielen sich momentan überall ab. Nicht nur in den sozialen Netzwerken.

Vielleicht hast du das auch schon erlebt. Dann weißt du, wovon ich rede.


Du recherchierst, verwendest viel Zeit und Energie. Willst deinen Beitrag leisten für eine bessere Orientierung in diesen chaotischen Zeiten, und dann kommt einer und sagt dass es fake ist.


Wie gehst du damit um?


Wechsel die Perspektive.

Es gibt noch ganz viele Menschen, die ausschließlich die Meinungen der Meinungsmacher - der gleichgeschalteten öffentlichen Sender kennen. Doch dass sich immer mehr von ihnen in Foren und Gruppen wagen, die eine Opposition darstellen, zeigt doch, dass sie merken dass etwas nicht stimmen kann. Sie sind noch nicht vertraut mit dem Sturm, der da draußen in Wirklichkeit tobt.


Gib ihnen Zeit und Hilfestellung anstatt sie als verblödet abzustempeln.

Jeder von uns versucht die aktuelle Situation zu begreifen und zu verarbeiten. Jeder auf seine Art.

Auch du!


Belächle niemanden.

Verurteile niemanden. Auch du bist auf der Suche nach Orientierung.

Erwarte nicht, dass jeder gut findet was du machst.

Du selbst findest es auch nicht gut, wenn dich jemand aus Unwissenheit kritisiert.


Wir sollten mehr Fragen stellen, anstatt uns ins Schneckenhaus zurückziehen und mit vergifteten Pfeilen schießen.

Wir sollten ins Gespräch kommen, anstatt unsere Perspektive zu verteidigen.


Und ganz ehrlich - manchmal war es wirklich ein fake - wenn auch unbeabsichtigt.

Steh einfach dazu. Das ist nicht schlimm - auch nicht peinlich.

Das passiert jedem von uns ab und zu. Niemand wird dich dafür steinigen.


Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden willst.

Mit Respekt und in Demut.


Verliere nicht den Blick, worum es eigentlich geht.

Verliere dich nicht in sinnloser Rechthaberei.

Besinne dich auf dein WARUM. Den Ursprung deines Engagements.

Verliere dich nicht im Chaos des Orkans. Bleibe im Zentrum - bei dir selbst.


Perspektivenwechsel kann man üben, z.B. beim Fotografieren.

Pusteblume aus der Vogelperspektive

Dieselbe Pusteblume frontal.

Dieselbe Pusteblume aus der Froschperspektive.


Ein und dieselbe Blume, doch aus der Froschperspektive erscheint sie größer. Bei der Vogelperspektive  erscheint sie ganz klein, bzw. kurz. Ich sage "erscheint", weil es nur so scheint. Je nachdem aus welcher Perspektive man fotografiert. So ist es mit allem. Alles was wir sehen oder glauben zu sehen, scheint so zu sein auf den ersten Blick.

Die Pusteblume selbst, hat sich nicht verändert. Einzig mein Blick auf sie - meine Perspektive, meine Haltung beim Fotografieren. Auch meine Gedanken waren anders in den unterschiedlichen Positionen, die ich einnehmen musste. Auch Spaziergänger und Radfahrer ignorieren. Früher hat mich das immer gestört, aber seit einiger Zeit nicht mehr.


Beim Experimentieren passiert eine ganze Menge in deinem Inneren.

Beobachte dich dabei, weil du sehr viel über dich selbst erfahren kannst.


Es lohnt, sich einmal dazu Gedanken zu machen. Noch besser,  loszugehen und es selber ausprobieren. Es gibt nicht richtig oder falsch. Mir gefällt die Blume am besten in der Froschperspektive, jemand anderem vielleicht nicht. Ja und? Das ist doch spannend oder nicht?


Das ist es doch, was Vielfalt ausmacht.


Was wäre eine Diskussion ohne Kontroverse? Stinklangweilig.


Ich will keinen Einheitsbrei, weil da kein Staunen mehr ist. Keine neue Sicht der Dinge. Keine Inspiration und also auch kein Wachstum.


Viele Puzzle-Teile ergeben das gesamte Bild.


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